VDMA gegen „Tarifbindung von Staats wegen“

Nur noch ein knappes Drittel der deutschen Maschinenbauer praktizieren den Flächentarifvertrag, wie eine aktuelle Mitgliederbefragung des VDMA ergab. Der VDMA spricht sich aber entschiedenen gegen Versuche der Großen Koalition aus, die Tarifbindung durch politischen Druck zu forcieren.

Die Tarifbindung muss nach Ansicht des VDMA Sache der Sozialpartner bleiben. Eine politische Einmischung weist der stellvertretende VDMA-Hauptgeschäftsführer Hartmut Rauen deshalb zurück. „Die Stärkung der Tarifbindung ist Aufgabe der Tarifparteien. Sie müssen wettbewerbsfähige und attraktive tarifliche Regelungen vereinbaren.“ Dann würden sich auch mehr Unternehmen wieder tarifvertraglich binden

Rauen begründet seine Ablehnung gegen den von der Großen Koalition verfolgten Kurs, durch eine rechtliche Benachteiligung nicht-tarifgebundener Unternehmen die Tarifbindung zu stärken, auch mit verfassungsrechtlichen Bedenken. „Der Gesetzgeber darf sich hier nicht einfach dazwischendrängen und auf Kosten der negativen Koalitionsfreiheit eine Tarifbindung von Staats wegen betreiben“, sagt der stellvertretende VDMA-Hauptgeschäftsführer.

Die wichtigsten Ergebnisse der VDMA-Umfrage: Nur noch ein knappes Drittel der Unternehmen praktizieren die Tarifbindung, weil der Flächentarifvertrag „zu wenig Spielraum für betriebliche Lösungen“ lässt; „mangelnde Flexibilität“ war ein weiterer wichtiger Grund. Knapp die Hälfte ärgerte sich über „zunehmende Lohnkosten“. Trotz der abnehmenden Tarifbindung ist der Maschinenbau aber keine Niedriglohn¬branche: der durchschnittliche Bruttojahresverdienst eines vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmers lag im Jahr 2018 bei gut 61.000 Euro. 69 Prozent der nicht-tarifgebundenen Unternehmen gaben an, sich am Tarifvertrag zu orientieren oder Bezug darauf zu nehmen.

Auf der Veranstaltung „Wieviel Staat verträgt die Tarifautonomie?“ wird der VDMA mit Vertretern aus Politik, Verbänden und Gewerkschaften die Ergebnisse der Umfrage sowie die Folgen der nachlassende Tarifbindung diskutieren. Die Veranstaltung findet statt am Dienstag, 26. November 2019, ab 10:45 im Haus der Commerzbank, Pariser Platz 1, 10117 Berlin. Anmeldungen bitte an doreen.gidde@vdma.org

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