EU weist den Weg für Künstliche Intelligenz in Europa

Ein aktueller Bericht zeigt der Politik Chancen für eine bessere Zukunft mit nützlichen KI-Anwendungen, aber ohne Auswüchse wie etwa die Rundumüberwachung der Bürger.

Rote Linien für kritische Anwendungen, aber auch Freiräume für Innovation: Das empfehlen die von der EU-beauftragten Experten für KI in Europa. Ein Bericht mit 33 Ratschlägen soll der Politik den Weg weisen in eine bessere Zukunft mit nützlichen KI-Anwendungen, aber ohne Auswüchse wie etwa die Rundumüberwachung der Bürger.

Der nun vorgestellte Bericht mit dem Titel „Policy and investment recommendations for thrustworthy AI“ plädiert für einen risikobasierten Ansatz: Die Gesetzgebung soll sich an der Größe des Risikos und der Autonomie der KI-Systeme orientieren und grundsätzlich zurückhaltend gestaltet werden. Wo Bürgerrechte bedroht sind, werden klare rote Linien empfohlen - etwa in Form von strengen Regeln für digitale Überwachung oder einer Pflicht, KI-basierte Entscheidungen als solche zu kennzeichnen. Auf der anderen Seite sollen unnötig enge Vorschriften vermieden werden und flexible Lösungen – zum Beispiel in Form von gesetzgeberischen Ausnahmen („regulatory sandboxes“) – sollen Freiräume für Innovation schaffen. Es muss vermieden werden, risikoarme KI-Anwendungen in frühen Entwicklungsstadien mit undifferenzierten Regeln zu behindern.

Im Gegensatz zu den eher technologiekritischen Ethikrichtlinien aus der gleichen Expertengruppe wird damit ein ausgewogener und zukunftsweisender Ton angeschlagen. Auch der VDMA hatte immer wieder darauf hingewiesen, dass KI nicht überall gleich kritisch und autonom ist und es einer differenzierten und chancenorientierten Sicht bedarf.

Einen Schlüssel für eine erfolgreiche europäische KI sieht die Gruppe im Aufbau von Kompetenzen bei Bürgern, Arbeitnehmern und Unternehmen. Auch die Politik wird in die Pflicht genommen: Es sei erforderlich, die institutionellen Kapazitäten, das Fachwissen und die Instrumente politischer Entscheidungsträger zu erweitern.

"Es muss vermieden werden, dass risikoarme KI-Anwendungen in frühen Entwicklungsstadien mit undifferenzierten Regeln behindert wird"

 

Zu kurz kommt aus Sicht des VDMA die Rolle der strategischen Wertschöpfungsketten für die erfolgreiche Nutzung und Verbreitung von KI-basierten Lösungen. Es darf nicht nur darum gehen, Spitzenforschung zu fördern und eine KI-Industrie zu schaffen. Vielmehr muss auf vorhandenen Stärken aufgebaut und KI in die Anwendung in Industrie und Mittelstand gebracht werden.

Insgesamt stellen diese Empfehlungen einen wichtigen Meilenstein für die Gestaltung eines KI-Binnenmarkts und im Wettlauf um die globale KI-Vorherrschaft dar. Sie sind nicht verbindlich, aber es ist davon auszugehen, dass sie eine maßgebliche Grundlage für die Digitalpolitik der neuen Europäischen Kommission sein werden und sich einige der Ideen in zukünftigen EU- Gesetzen wiederfinden werden.