Industrie 4.0 braucht neue Kompetenzen

Shutterstock

Industrie 4.0 stellt neue Anforderungen an die Qualifikationen und Kompetenzen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die Ingenieurausbildung, wie auch Aus- und Weiterbildung müssen mit dem technologischen Wandel Schritt halten und angepasst werden. Qualifizierte Fachkräfte sind gefragter denn je – der VDMA legt nun erstmals ein Soll-Profil für Ingenieure und Ingenieurinnen 4.0 vor.

Industrie 4.0 – die Digitalisierung und Vernetzung von Produktion, Produkten und Dienstleistungen – steht nicht nur auf der weltgrößten Industriemesse in Hannover Jahr für Jahr im Mittelpunkt. Industrie 4.0 wird auch die Lebens- und Arbeitswelt fundamental verändern. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen verstärkt in immer komplexeren, interdisziplinären und vernetzten Kontexten arbeiten und sollen diese gestalten. Kollaboration über Abteilungs-, Unternehmens,- und Ländergrenzen hinweg wird immer mehr zum gelebten Alltag. Deshalb ändern sich auch die Anforderungen an Kompetenzprofile von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Schulen, Unternehmen und Hochschulen müssen diese Herausforderung annehmen und sich der Anpassung ihrer Curricula und Weiterbildungsformate widmen. Dies gilt besonders vor dem Hintergrund, dass gerade im Maschinen- und Anlagenbau der Trend zur Höherqualifizierung in Zukunft zu einem noch stärkeren Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften führen wird. Der VDMA ist daher auf zahlreichen Feldern aktiv, um seine Mitglieder bei der Aus- und Fortbildung zu „Industrie 4.0“ zu unterstützen.

Gemeldete Stellen durchschnittlich in 2018: 11.525
Geschätzte Zahl der offenen Stellen in 2018: 24.000
Nicht in diesen Zahlen enthalten ist die Fachkräftenachfrage aus dem Bereich Reparatur und Installation von Maschinen und Anlagen + ca. 4.800
Offene Stellen insgesamt im Maschinenbau rund 28.800

 

 

 

Ingenieurinnen und Ingenieure für Industrie 4.0

Die Ingenieurausbildung muss sich für Industrie 4.0 weiterentwickeln. Doch welche Anforderungen stellen Maschinen- und Anlagenbauunternehmen hierbei? Inwieweit sind die Hochschulen für Industrie 4.0 gerüstet? Diese Fragen beantwortet die aktuelle Studie „Ingenieurinnen und Ingenieure für Industrie 4.0“, die das Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung e. V. - ISF München im Auftrag der IMPULS-Stiftung des VDMA erstellt hat. 

 

 

Mit der Studie liegt erstmals ein ‚Soll-Profil Ingenieurinnen und Ingenieure 4.0‘ vor, welches auf den Anforderungen der Maschinenbau-Industrie basiert. Das Profil, das auf der Basis von qualitativen Interviews und einer quantitativen Online-Befragung von 224 Unternehmen beruht, umfasst die folgenden Kompetenzbereiche: 

  1. fachliche Grundlagen in einer Ingenieurdisziplin
  2. methodische Kompetenzen, insbesondere Prozess- und Systemdenken 
  3. übergreifende fachliche Grundlagen, z.B. in Informatik und Data Science im Studiengang Maschinenbau 
  4. Kontextwissen, d.h. Wissen über Gegebenheiten, Anforderungen und Perspektiven in anderen Unternehmensbereichen und Disziplinen 
  5. überfachliche Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Selbstständigkeit, Eigenmotivation und Kommunikationsfähigkeit 

 

Shutterstock

Wie fit sind Sie für Industrie 4.0?

Machen Sie den "Kompetenzcheck 4.0", der im Rahmen der Studie entwickelt wurde. Das Online-Tool basiert auf der quantitativen Befragung der Unternehmen und gibt Auskunft über die eigenen ingenieurwissenschaftlichen Kompetenzen für Industrie 4.0.

 

Change-Prozess an den Hochschulen drängt

Doch zwischen dem Soll-Profil für Ingenieurinnen und Ingenieure und der hochschulischen Realität besteht ein beträchtliches Delta. Für die Hochschulen bedeutet dies, dass sie mit dem technischen Fortschritt gehen und ihre Curricula rasch anpassen müssen. 

Die Mehrheit der Unternehmen ist hinreichend zufrieden mit der Qualifikation von Absolventinnen und Absolventen ingenieurwissenschaftlicher Studiengänge für Industrie 4.0 Projekte. Allerdings ist auch die Zahl der Unternehmen, die sehr zufrieden sind, mit 13% nicht sehr hoch. Um mit dem technologischen Wandel Schritt halten zu können ist also eine schnelle Anpassung der Lehrinhalte und -methoden notwendig. 

 

 

Obwohl die Hochschulen bei der Ingenieurausbildung für Industrie 4.0 bereits erste zielführende Ansätze entwickelt haben, stehen sie vielfach noch am Anfang einer notwendigen Entwicklung. Insbesondere die Integration neuer fachlicher Inhalte stellt eine große Herausforderung dar: So gibt es kaum strukturierte Entscheidungsprozesse zum Einbezug neuer und zur Streichung alter Inhalte. Die Anpassung der Curricula drängt aber – neben fachlichen Kompetenzen in einer Kerndisziplin sind künftig Fähigkeiten in Informatik, Data Science und Datensicherheit unabdingbar. Zudem wird es immer wichtiger, vielfach vorherrschendes Silodenken in den Fachbereichen und Fakultäten aufzubrechen und die Vernetzung in der Lehre voranzutreiben. 


Die Studie empfiehlt die Einführung eines zweisemestrigen gemeinsamen ingenieurwissenschaftlichen Grundstudiums. Möglich werden dann erste Einblicke in die Studiengänge Maschinenbau, Elektrotechnik und Informatik, zugleich verbessert sich die Entscheidungsbasis für die anschließende Wahl einer Kerndisziplin. Unternehmen können für die Entwicklung solcher Grundlagenkurse die unverzichtbare Sicht der Praxis und neue Anforderungen im Zuge der Digitalisierung einbringen.

 

 

 

 

VDMA-Initiative „Maschinenhaus - Plattform für innovative Lehre“ unterstützt bei Change-Prozessen

Die Studienergebnisse nutzt der VDMA, um die Hochschulen bei der Weiterentwicklung der Lehre in der Ingenieurausbildung zu unterstützen. Die Maschinenhaus-Initiative setzt sich für eine zukunftsfähige Hochschulausbildung und mehr Studienerfolg in den Disziplinen des Maschinenbaus, der Elektrotechnik und der Informatik ein. Dabei versteht sich das Maschinenhaus als „Plattform für innovative Lehre“, die Akteure aus Hochschulen, Politik und Unternehmen miteinander vernetzt. Damit soll den hohen Studienabbruchquoten in ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen entgegengewirkt und ein qualitativ hochwertiges Ingenieurstudium sichergestellt werden.

Machen Sie mit
Save the Date: Diskutieren Sie mit zum Thema „Industrie 4.0 – Herausforderungen und Wege in der Ausbildung von Ingenieurinnen und Ingenieuren“ bei der VDI/VDMA-Tagung für Hochschul- und Unternehmensvertreter am 25.06.2019 in Heidelberg!
Bewerben Sie sich für den hoch dotierten VDMA-Hochschulpreis „Bestes Maschinenhaus 2019“ – Fokusthema in diesem Jahr ist „Innovation in der Lehre für Industrie 4.0“.

Berufliche Bildung: Für die Zukunft gerüstet

Bereits im Jahr 2016 legte der VDMA die Studie „Industrie 4.0 – Qualifizierung 2025“ vor. Sie wurde von der Universität Hohenheim unter der Leitung von Prof. Dr. Sabine Pfeiffer erstellt. Ihre wichtigsten Empfehlungen lauteten: Neue Inhalte wie zum Beispiel „Additive Fertigung, IT-Security oder Cyber-Physikalische-Systeme“ sollten in die bestehenden Berufsbilder integriert und Aus- und Fortbildungen entsprechend angepasst werden. Neue Berufsbilder würden derzeit nicht benötigt.

 

"Die Digitalisierung verändert die Gesellschaft in rasender Geschwindigkeit – mit diesem Tempo müssen wir mithalten.“

Thomas Ressel, Ressortleiter Bildungs- und Qualifizierungspolitik bei der IG Metall 

 

Diese und andere Studien bildeten die Basis für eine Initiative der Sozialpartner IG Metall, Gesamtmetall, ZVEI und VDMA. Die Berufsbilder sollten fit für die Zukunft gemacht werden, und zwar in einem möglichst schnellen, „agilen Verfahren“. Dies ist gelungen. 

Am 1. August 2018 traten die neuen Ausbildungsordnungen und Rahmenlehrpläne der Berufsschulen aller elf Ausbildungsberufe der M+E-Industrie in Kraft. Darüber hinaus wurden sieben Zusatzqualifikationen zur Digitalisierung eingeführt. Aktuell sind die Sozialpartner dabei, auch die Inhalte und Strukturen der beruflichen Fortbildung an die neuen Erfordernisse anzupassen.

Die „Pfeiffer-Studie“ appellierte auch an die Unternehmen, den Beruf des/der Produktionstechnologen/in stärker auszubilden. Die Sozialpartner seien im Jahr 2008 ihrer Zeit bereits voraus gewesen, als sie diesen „Industrie 4.0-Beruf“ weitblickend eingeführt hätten.  

 

Prof. Dr. Sabine Pfeiffer, Universität Hohenheim, über die Studie "Industrie 4.0 - Qualifizierung 2025" und die Arbeit der Zukunft.

 

"Uns ist es gelungen, innerhalb von nur einem Jahr, die Ausbildung in den Metall- und Elektroberufen an die Erfordernisse von Industrie 4.0 anzupassen."

Dr. Jörg Friedrich, Leiter der Abteilung Bildung des VDMA

Nachwuchsstiftung Maschinenbau setzt auf Online-Tool

Die Nachwuchsstiftung Maschinenbau wiederum setzt die Erkenntnisse des VDMA in der beruflichen Bildung operativ um. Im Bereich Industrie 4.0 ist die Stiftung in vielfältiger Weise aktiv. 
Sie bietet unter anderem Beratung und Fortbildungen für Berufsschulkräfte und Ausbildungsverantwortliche an.

Mit ihrem Mobile Learning System hat die Stiftung ein Online-Tool für Unternehmen entwickelt, das die neuen Ausbildungsinhalte integriert und hilft, die Ausbildung individueller zu gestalten. Darüber hinaus bietet die Nachwuchsstiftung den VDMA-Mitgliedsunternehmen in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen die Möglichkeit, sich über öffentlich geförderte Industrie 4.0-Projekte in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen fortzubilden und zu vernetzen.