Ideen schmieden in den Ideenschmieden

Festo

Vier Räume, vier Farben - grün, rot, blau und schwarz -, vier unterschiedliche Ansätze. Ein Vorbild haben alle Räume gemeinsam: die Fibonacci-Folge.

Die Technologiefabrik Scharnhausen, bei Festo das führende Werk für Ventile, Ventilinseln und Elektronik, grenzt an ein Naturschutzgebiet und steht in unmittelbarer Nähe zum Flughafen Stuttgart. Schon der Standort bildet die Verbindung zwischen Natur und Technologie. In der obersten Etage dieses im Jahr 2014 fertiggestellten Gebäudes, stellen die vier Kreativräume, genannt Ideenschmieden, eine ungewöhnliche Umgebung für ein Produktionswerk dar. Hier ist es bunt, hier regiert Design, Kreativität, Inspiration und andere Denkweisen fördern - für ein Produktsionwerk ein ebenfalls ungewöhnliches Konzept. Gelebt wird es dennoch. Vier Räume, vier Farben grün, rot, blau und schwarz -, vier unterschiedliche Ansätze. Ein Vorbild haben alle Räume gemeinsam: die Fibonacci-Folge.

Natur trifft Mathematik
Der Wissenschaftsphilosoph Leonardo Fibonacci (ca. 1170 bis 1240), entdeckte bei der Erforschung von Kaninchenpopulationen die sogenannte Fibonacci-Folge: 0, 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, ...
Diese Fibonacci-Zahlen weisen bemerkenswerte mathematische Besonderheiten auf: Addiert man zwei benachbarte Zahlen, ergibt sich die jeweils nächste. Je weiter man die Folge führt, desto mehr nähert sich der Quotient aufeinanderfolgender Zahlen dem gGoldenen Schnitt. Der goldene Schnitt gilt als sehr harmonisches Teilungsverhältnis und wird daher oftmals von Künstlern bei der Komposition ihrer Werke verwendet. Auch die Maßverhältnisse des menschlichen Körpers, Pflanzen, die Strukturgesetze der Musik, Malerei, Plastik und Baukunst folgen den Prinzipien des goldenen Schnitts.

Bei den Innovationen von Festo spielen die vier Stellgrößen - Natur, Mensch, Technik und Design - eine zentrale Rolle. Häufig nutzen Ingenieure von Festo das Prinzip der Bionik und übertragen biologische Phänomene auf die Technik. So werden durch die Kombination aus Mechatronik und Vorbildern aus der Natur immer neue und bessere Lösungen geschaffen.

"Wir sind anspruchsvoll. Wir sind zielstrebig. Wir sind weitblickend. Wir sind wertschätzend. Wir sind verantwortungsbewsst. Wir sind Festo."
Die Unternehmenswerte vor Augen, machten sich die Experten von Festo zunächst Gedanken über den Entstehungsprozess von Innovationen. Ihre Ideen und Antworten setzten sie dann in ein ausgefallenes Raumkonzept um. Die vier Räume der Ideenschmieden sind in Form einer schneckenförmigen Muschel um einen zentralen Kaffeebereich angeordnet. Hier treffen kreative Köpfe zum gemeinsamen Austausch aufeinander. Für diese geometrische Anordnung dienen die Fibonacci-Zahlen als sinnstiftendes Vorbild. Wird die Folge mithilfe von Quadraten grafisch dargestellt, ergibt sich ein in der Natur häufig wiederkehrendes Muster. Es lässt sich unter anderem bei Muscheln oder Zapfen beobachten.
 

Frei bewegen und denken
Jeder Raum bietet verschiedene Arbeitsbereiche. An interaktiven Medienwänden wirken mehrere Menschen gleichzeitig. Gruppen konferieren an großen Besprechungstischen. Einzelarbeitsplätze laden dazu ein, sich für eine bestimmte Zeit zurückzuziehen und seinen eigenen Gedanken nachzugehen. Ergonomische Stühle helfen gegen Ermüdung. Auf Sofalandschaften kann Kreativität freigesetzt werden. Auch ungewöhnliche Arbeitsweisen sind gewünscht, etwa das Bauen mit Legosteinen oder das Malen mit Buntstiften. Festo setzt auf sogenannte Design-Thinking-Methoden und lässt Mitarbeiter dafür gezielt zu Experten ausbilden.

Das Interier jedes Raumes ist an das jeweilige Motto, die jeweilige Farbe, angepasst. Wände, Stühle, Tische, alles ist aus einem Guss. Auf Design wurde, wie auch bei den Produkten von Festo, viel Wert gelegt. In diesem Sinne sind die Räume Orte der Inspiration, der Motivation, der Dimension sowie der Kreation.

Hochwertige Materialien und ein durchdachtes Raumkonzept machen Lust auf kreative Arbeit. Interdisziplinäre Teams oder ganze Abteilungen. Stehen, sitzen, anlehnen - alles ist möglich und gewollt. Statisch soll hier nichts sein - am wenigsten die Denkweisen. Bunt und kreativ soll es zugehen. Die Ideen sollen sprudeln. Die verglasten Außenwände bilden dabei die Verbindung zur Produktionswelt. Sehen und gesehen werden.
 

 

Farben schaffen Kreativität
Der grüne Raum zielt auf Inspiration ab. Grün wirkt beruhigend, ausgleichend und harmonisch, steht für Sicherheit. Grün kann nicht gelebtes Potenzial im Menschen wecken. Grün ist die häufigste Farbe der Natur. Fibonaccis Zahlenfolge spiegelt sich auch in der Blattstellung viele Pflanzen wider. Fruchtstände von Sonnenblumen und die Blätter mancher Sukkulenten bestehen aus sich kreuzenden Fibonacci-Spiralen.

Thema des roten Raumes ist die Motivation. Rot verstärkt Interessen, steht für Stärke, Tatkraft und Mut, wirkt aktivierrend und stimulierend. Ohne den Menschen gäbe es keine technische Innovation. Er ist Ausgangspunkt und Ziel jeder Neuerfindung. Dank der Motivation aller Mitarbeiter hat Festo es bis zur Innovations- und Technologieführerschaft geschafft.

Das Motto des blauen Raumes ist die Dimension. Blau ist eine kühle Farbe, die entspannend, erfrischend und erweiternd wirkt. Blau macht weit und offen. Blau steht für Vertrauen, Ruhe und Pflichtbewusstsein. Hier findet man die sogenannten Tafla Mirrors. Diese Spiegel entstanden mit Hilfe der FIDU-Technik (Free Inner Pressure Deformation). Diese kreative Herstellungstechnik spielt mit Dimensionen, denn Pneumatik - das Kerngeschäft von Festo - wölbt zweidimensionale Gegenstände, beispielsweise glatte Bleche, und gibt ihnen ein dreidimensionales Volumen. Die Spiegel sind so einzigartig wie die Welt, die darin zu sehen istd. Der Zufall schuf sie. Keine Herstellungstechnik könnte die Form nachbilden. Die visuellen Dimensionen der Spiegel zeigen daher die Reflektion einer unnachahmbaren Realität.

Kreation ist das Thema des schwarzen Raumes. Schwarz steht für Stille, Tiefe und Sicherheit. Schwarz kann verstärken und Kraft betonen. Pflug, Rad, Segel: die größten Erfindungen der Menschehit basieren auf Ideen, die schon lange zuvor in der Natur existierten. Häufig dient die Natur auch in Entwicklungsprozessen als Vobild. Immer sind es jedoch interdisziplinäre Teams, die entscheidende Innovationen schaffen und sich mit ihrem spezifischen Know-how gegenseitig zu Höchstleistungen inspirieren. Von der Inspiration bis zum fertigen Produkt sind es mehrere Phasen: Zunächst entstehen erste Papierskizzen zur Visualisierung der Produktidee. Daraufhin verfeinern Ingenieure und Designer das Konzept und erstellen technische Zeichnungen für die Detailplanung. In einem additiven Verfahren entstehen nun parallel 3D-Modelle, bevor der Prototyp im Prozess der Produktentwicklung bis hin zur Marktreife perfektioniert wird.
 

Die Rückkehr zum Normalen fällt schwer
Die Ideenschmieden sind heißbegehrt. Es gibt kaum einen Tag, an dem sie nicht reserviert sind. Jeder, der einmal drin war, kommt gerne wieder - mittlerweile nicht mehr nur Mitarbeiter aus der Technologiefabrik Scharnhausen, sondern auch Kollegen aus dem Stammhaus von Festo in Esslingen-Berkheim. Sogar Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel war schon zu Besuch und zeigte sich begeistert von den Räumlichkeiten. Festo ist es gelungen, einen kreativen Rückzugsort innerhalb einer Produktionsumgebung zu schaffen, der von Mitarbeitern akzeptiert und gerne genutzt wird. Wenn man einmal einen Tag in diesem besonderen Umfeld verbringen durfte, fällt die Rückkehr in das gewohnte Büro umso schwerer.

Autor:
Nico Schneider

Corporate Communication-Technology
Festo AG & Co. KG