Digitale Vernetzung? Vernetzte Qualifizierung!

Shutterstock

Industrie 4.0, Lernen 4.0, Ausbildung 4.0 - ohne den 4.0-Zusatz kommt die Arbeitswelt derzeit nicht aus. Auch TRUMPF stellt sich in der Aus- und Weiterbildung auf neues Denken ein.

Derzeit ist jede Branche ganz grundlegenden Veränderungen ausgesetzt. Die fertigende Industrie durchlebt unter dem Stichwort "Industrie 4.0" einen enormen Wandel. Das stellt bestehende Geschäftsmodelle in Frage. Und das führt natürlich auch zu anderen Anforderungen an unsere Mitarbeiter.

Arbeit 4.0 schafft neue Funktionsprofile und Aufgabengebiete entlang der gesamten Wertschöpfungskette vom Auftragseingang bis zur Auslieferung, aber auch in der Interaktion von Mensch und Maschine. Nicht-wertschöpfende Tätigkeiten reduzieren sich, ebenso wie verwalterische Tätigkeiten. Die Digitalisierung führt zu einer flexiblen und intelligent vernetzten Arbeitsumgebung, die sich stetig verändert. Wir müssen unsere Mitarbeiter mehr denn je auf den Wandel als Konstante einstellen, sie dabei begleiten und immer wieder für neue Anforderungen qualifizieren.

Natürlich geht es dabei auch darum, technologisch auf der Höhe der Zeit zu bleiben. Aber das war für TRUMPF als Hochtechnologieunternehmen schon immer eine wichtige Anforderung.

Hinzu kommt nun ein ergänzender Faktor: Notwendig ist vor allem eine neue, engere Form der Zusammenarbeit innerhalb der Unternehmen. Experten verschiedener Disziplinen müssen sich austauschen, ihre Kenntnisse zusammenbringen, um so schnell gute Produkte zu entwickeln, zu produzieren und diese auch in ihrer Komplexität zu kommunizieren und zu verkaufen. Aufgrund der sich rasant vollziehenden softwareseitigen Entwicklung kann man heute dabei weniger als je zuvor auf tradiertem Wissen aufbauen. Dieses gibt es natürlich auch weiterhin, doch die Teile der Arbeit, bei denen man Neuland betritt, nehmen deutlich zu. Es geht also weniger um veränderte technische Möglichkeiten als um eine neue Qualifizierungskultur.

Dafür müssen wir in der Aus- und Weiterbildung mit ganz andern Lernformen arbeiten als bisher.

Das Gute daran: die jungen Menschen, die bei TRUMPF heute eine Ausbildung beginnen, können diese neuen Methoden von der Pike auf lernen:

  • Projektarbeit, abseits von Abteilungsgrenzen
  • Entwicklungssprints, die auch einmal über den normalen Arbeitstag hinausgehen
  • Ausprobieren, scheitern, neu machen

All dies sind Dinge, die unser Arbeitsleben stärker als bisher beherrschen werden und die wir in unserer Berufsausbildung in Projekten ganz bewusst erproben. In der digital vernetzten Kommunikation sind unsere heutigen Auszubildenden ohnehin Experten.
Das zweigliedrige Ausbildungssystem, das neben der Berufsschule die Ausbildung im Betrieb anbietet, ist dafür eine sehr gute Basis. Das sehen wir im internationalen Vergleich unserer Standorte deutlich. Die Verbindung von Theorie und Praxis gibt den jungen Menschen ideale Werkzeuge in die Hand, um einen solchen Wandel gut zu bewältigen. Die Rolle der Ausbilder verändert sicher allerdings grundlegend. Diese haben in vielen Feldern nicht mehr den Wissensvorsprung gegenüber den jungen Menschen wie noch vor zehn Jahren. Stattdessen werden sie zu Ausbildungsbegleitern. Viel mehr als früher geht es um die Vermittlung von methodischem Wissen, das die jungen Menschen in einer sich beständig und rasant verändernden Arbeitswelt brauchen, um gesicherte Erkenntnisse von Unwichtigem zu unterscheiden, um in Fehlern Chancen zu sehen, um die Kommunikation in schwierigen Projektsituationen positiv zu gestalten.

Auch Mitarbeiter, die längst im Berufsleben stehen, müssen sich den Veränderungen bewusst stellen. Gefragt ist von den Mitarbeitern permanente Flexibilität - als selbstverständlicher Teil des Alltags. Unternehmen müssen deshalb der beruflichen Weiterbildung eine ganz andere, größere Bedeutung zukommen lassen. TRUMPF hat in seinem betriebsinternen Bündnis für Arbeit eine Qualifizhierungsinitiative verabschiedet. Zwei Ansätze stehen in deren Zentrum.

Zum einen geht es um die Eigenverantwortung der Mitarbeiter für deren individuelle Qualifizierung. Zum anderen haben wir bereichsspezifische Programme aufgesetzt, die zwischen Personalentwicklung und dem jeweiligen Fachbereich erarbeitet und gemeinsam phasenweise umgesetzt werden. Zunächst erfolgt die Analyse der zukünftigen Arbeitsaufgaben, dann erstellen wir Anforderungsprofile an Aufgaben und ermitteln die Kenntnisse der Mitarbeiter. Erreichen wollen wir dabei die Qualifizierung für sich verändernde Arbeitsplätze im eigenen oder in benachbarten Bereichen und einen systematischen Wechsel zwischen Arbeitsplätzen.

Ziel ist immer die langfristige Beschäftigungsfähigkeit und die Förderung der Lernfähigkeit unserer Mitarbeiter.

Industrie 4.0 bietet produzierenden Unternehmen große Chancen. ABER, man muss den Wandel bewusst weitsichtig und als Geschäftsführung auch fürsorglich begleiten. Die Erkenntnis, dass wir eine gemeinsame Verantwortung haben für die Gestaltung ist entscheidend. Die Vernetzung von Maschinen ist eine technologische Aufgabe. Dahinter steht aber die Vernetzung von Menschen. Und diese ist eine Aufgabe von Kommunikation, Qualifizierung und guter Unternehmenskultur.

Autor:
Dr.-Ing. Mathias Kammüller

Geschäftsführer der TRUMPF GmbH & Co. KG,
Vorsitzender des VDMA-Landesverbandes Baden-Württemberg