Digitale Transformation: Mit dem richtigen Werkzeug zum Geschäftsmodell

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Im Zuge der digitalen Transformation müssen Unternehmen ihre Geschäftsmodelle an die sich verändernden Märkte anpassen. Unterstützung bietet ein neues System der RWTH Aachen.

Vertreter aus Forschung und Praxis haben in den letzten Jahren viele Werkzeuge und Prozesse entwickelt, die der systematischen Geschäftsmodell-Innovation dienen. Teilweise sind diese bereits in Unternehmen etabliert, wie das Business Model "Canvas" von Alexander Osterwalder.

Ein erster Schritt zur systematischen Geschäftsmodell-Innovation ist eine geeignete Methodik, die das Unternehmen, sein bestehendes Geschäftsmodell sowie potenzielle Partner, Kunden und Konkurrenten abbildet.

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Vertreter aus Forschung und Praxis haben in den letzten Jahren viele Werkzeuge und Prozesse entwickelt, die der systematischen Geschäftsmodell-Innovation dienen. Teilweise sind diese bereits in Unternehmen etabliert wie das Business Modell "Canvas" von Alexander Osterwalder. Häufig fehlt in den Firmen allerdings noch ein ganzheitlicher Ansatz. Einzelne Mitarbeiter kennen zwar die eine oder andere Innovationsmethode, führen diese aber nicht in einem unternehmensweiten Regelprozess zusammen.

Vorhandene Werkzeuge reichen nicht aus
Hinzu kommt, dass sich die Entwicklung der digitalen Transformation teilweise stark vom traditionellen Geschäft und den klassischen Märkten unterscheidet. Dazu zählt die umfassende Vernetzung von Dingen und Menschen, die Entstehung neuer Plattform-Marktplätze oder die Möglichkeit, sehr unterschiedliche Daten zu erfassen und auszuwerten. So passen die vorhandenen Werkzeuge oftmals nicht mehr zu den neuen Herausforderungen.
In der Zusammenarbeit mit Unternehmen unterschiedlicher Industriezweige und Größen stellen Mitarbeiter der RWTH Aachen immer wieder fest, dass das Wissen über systematische Prozesse und Methoden teils nur rudimentär vorhanden ist. Häufig fehlt auch das Bewusstsein für die Notwendigkeit, sich proaktiv und kontinuierlich mit dem eigenen Geschäftsmodell zu beschäftigen. Und das gilt nicht nur dann, wenn das Geschäftsmodell offensichtlich nicht mehr tragfähig ist und eine existenzielle Krise droht.
Ein erster Schritt zur systematischen Geschäftsmodell-Innovation ist eine geeignete Methodik, die das Unternehmen, sein bestehendes Geschäftsmodell sowie potenzielle Partner, Kunden und Konkurrenbten abbildet. In klassischen Märkten ist das Busines Model Canvas als einfaches Strukturierungs- und Kommunikationswerkzeug eine gute Grundlage für erste Versuche der Weiterentwicklung.

"Es ist notwendig, sich proaktiv und kontinuierlich mit dem eigenen Geschäftsmodell zu befassen.", Prof. Dr. Frank Piller, RWTH Aachen

RWTH Aachen, Foto:Light Impression/Adobe Stock

Digitale Märkte sind anders
In digitalen Märkten, in denen Plattformen im Sinne von Wertschöpfungsnetzwerken die Geschäftsmodelle dominieren, stößt der "Osterwalder Canvas" jedoch schnell an seine Grenzen. Denn diese Plattformen bilden sich häufig nicht um ein starkes, fokales Unternehmen. Vielmehr agieren auf ihnen viele verschiedene Akteure, die oftmals zugleich Kunden, Lieferanten und Partner sind.
Entsprechend sind viele der neuen Plattform-Geschäftsmodelle von komplexen, voneinander abhängigen Austausch-Verhältnissen zwischen diesen Partnern gekennzeichnet. An die Stelle lang etablierter Kunden-Lieferanten-Beziehungen treten dabei flexible, agile Märkte, auf denen bislang völlig unbekannte Anbieter und Nachfrager mittels Digitaltechnologie agieren.

 

VDI e.V. / RWTH Aachen TIM

 

Canvas weiterentwickelt
Um innovative Unternehmen mit einem geeigneten Werkzeug zu untersützen, hat der Lehrstuhl für Technologie- und Innovationsmanagement (TIM) an der RWTH Aachen zusammen mit dem VDI den "VDI Industrie 4.0 Canvas" entwickelt. Grundidee dabei ist, die Netzwerkbeziehungen und alle Anteilseigener datengetriebener digitaler Geschäftsmodelle und Wertschöpfungsnetzwerke strukturiert abzubilden, zu diskutieren, zu modifizieren und weiterzuentwickeln. Mehr Industrie 4.0 unter vdi.de/industrie40

Entwicklung systematisieren
Doch dies ist nur ein erster Schritt. Durch die Anwendung von Geschäftsmodellmustern kommt Systematik in die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. Diese Muster (Plattform-Design-Faktoren) geben Antworten auf Fragen zu Wertgenerierung, zu Preismodellen und Governance-Strukturen digitaler Plattformen und den beteiligten Akteuren.
Ein drittes Element sind Ansätze, die neu erarbeitete Geschäftsmodelle validieren. Hierbei empfiehlt es sich für Unternehmen, experimentell vorzugehen, da diese Ansätze viel schneller als klassische Business-Case-Berechnungen Auskunft über die Tragfähigkeit einer Alternative geben.

Autoren
Prof. Dr. Frank Piller

Institutsleiter, Technologie- und Innovationsmanagement, RWTH Aachen

Christian Gülpen
Bereichsleiter Digitalisierung, Technologie- und Innovationsmanagement, RWTH Aachen

Dr. Dagmar Dirzus
Geschäftsführerin, VDI/VDE Gesellschaft für Mess- und Automatisierungstechnik, Frankfurt

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