VDMA-Kongress zu Arbeit 4.0 - gelungener Auftakt für übergreifenden Dialog

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Die Vernetzung und Digitalisierung in der industriellen Produktion wird die Arbeit in den Betrieben verändern, aber nicht notwendigerweise zu Lasten der Arbeitsplätze gehen. „Industrie 4.0 wird Wirtschaftsabläufe und Produktionsprozesse effizienter und flexibler machen.

Gute Aussichten für die Beschäftigung in der digitalisierten Fabrik von morgen

Die Vernetzung und Digitalisierung in der industriellen Produktion wird die Arbeit in den Betrieben verändern, aber nicht notwendigerweise zu Lasten der Arbeitsplätze gehen. „Industrie 4.0 wird Wirtschaftsabläufe und Produktionsprozesse effizienter und flexibler machen. Am Ende kann sie auch zu mehr Beschäftigung führen“, sagte VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann am Dienstag auf dem VDMA-Kongress „Arbeit 4.0 – Alles bleibt anders“ in Frankfurt. Durch Industrie 4.0 würden keine Berufe wegrationalisiert, sondern es würden bloß einzelne Tätigkeiten der Berufe automatisiert, sagte Brodtmann. Dadurch werde die Arbeit der Beschäftigten aufgewertet. Künftig werde es mehr darauf ankommen, Erfahrung, Feingefühl oder Urteilsvermögen einzubringen, statt immer wieder dieselben Handbewegungen zu machen.  Arbeit wird nach Brodtmanns Einschätzung durch Industrie 4.0 insgesamt produktiver.

Ein zentraler Veränderungspunkt ist die künftige Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine. In der Fabrik der Zukunft werden Roboter nicht mehr nur in Käfigen getrennt vom Menschen arbeiten, sondern in engem Kontakt mit ihm. Mobile Assistenzsysteme, die es heute schon gibt, machen da den Anfang. „Den Menschen und die Maschine intelligent miteinander zu kombinieren, bringt den entscheidenden Leistungssprung“, sagte Johann Soder, Geschäftsführer des Antriebsspezialisten SEW-EURODRIVE. Dieser Leistungsvorteil bringe den Unternehmen in der Folge einen Wettbewerbsvorteil auf dem Weltmarkt.  Die neue Zusammenarbeit zwischen Mensch und Roboter führe auch zu einer Entlastung des Mitarbeiters. Er könne sich auf gestalterische Aufgaben konzentrieren, die schwere, stupide Arbeit mache dann die Maschine. „Diese Kollaboration wird dazu führen, dass die Arbeit für den Menschen spannend und abwechslungsreich wird“, sagte Soder.
Arbeiten in einer digitalisierten Fabrik der Zukunft wird die Beschäftigungsstruktur nach Einschätzung von Christiane Benner, Zweite Vorsitzende der IG Metall, deutlich verändern. Beispielsweise werde es mehr Datenanalysten und IT-Experten geben als heute. Viele Unternehmen, die ihre IT ausgegliedert hätten, würden die Expertise wieder im eigenen Haus ansiedeln. Benner plädierte dafür, angesichts der neuen Aufgaben durch die Digitalisierung, alle Ausbildungsberufe neu zu überprüfen und die Qualifizierung anzupassen. 

Darüber hinaus entstünden auch ganz neue Berufe. „Es wird einen Kulturwandel geben. Die klassischen Erwerbsbiografien werden brüchiger“, sagte Benner. Ausgelernt haben und ein Berufsleben bei einer Firma arbeiten sei passé. Damit die Menschen das Arbeiten in der Zukunft bestmöglich mitgestalten könnten, sei mehr Mitbestimmung nötig, sagte Gewerkschafterin Benner.  Aus wissenschaftlicher Sicht betonte Prof. Sabine Pfeiffer von der Universität Hohenheim die Bedeutung des Menschen im Arbeitsprozess der Zukunft: „Die Beschäftigten sind die eigentliche Ressource, um Industrie 4.0 zu gestalten.“ Und da sei die Ausgangslage vor allem in deutschen Maschinenbau hervorragend: 80 Prozent seiner Beschäftigten hätten heute am Arbeitsplatz schon mit Wandel, Komplexität und Unwägbarkeiten zu tun. „Die können das schon, was auf jeden Fall zunehmen wird“, sagte Prof. Pfeifer.

Brodtmann plädierte dafür, dass alle am Prozess der sich verändernden Arbeitswelt Beteiligten in einen offenen Dialog treten sollten – Unternehmen, Gewerkschaften, Betriebsräte, Vertreter der Politik und der Wissenschaft. „Wir wollen uns nicht nur auf die technologische Sichtweise beschränken, sondern uns bewusst auch mit den Veränderungen der Arbeit, mit den Herausforderungen und Chancen für unsere Unternehmen und unsere Beschäftigten  auseinandersetzen“, sagte er. Der VDMA-Kongress soll dafür ein erster Schritt sein.

Unter diesem Link http://www.hr-online.de/website/radio/hr-info/index.jsp?rubrik=47958 auf HR-Info finden Sie einen Beitrag zum Kongress mit O-Tönen von Frau Benner, Prof. Pfeiffer, Prof. Bonin, Herrn Soder und Herrn Brodtmann.